Mann in einem langen Mantel zwischen Gitterstäben in blauem Licht

Blog Step into the DarkVerse

Was macht einen guten Escape Room aus?

Els van Leeuwen 5 Min. Lesezeit

6 Elemente, die für ein unvergessliches Erlebnis unverzichtbar sind

„Wie genial war das denn!“, „Als stünde ich mitten im Efteling!“, „Applaus für diesen Raum, meine Güte!“, „Wie habt ihr das bloß hinbekommen?!“ Nur ein paar der Sätze, die ich gerufen habe, als ich aus Escape Rooms kam, die mich komplett umgehauen hatten.

Ich weiß, dass ich in einem guten Escape Room war, wenn ich der Spielleitung ein Ohr darüber abkaue, wie fantastisch das Erlebnis war. Danach kaue ich meinen Mitspielern weiter ein Ohr ab, bis sie sich irgendwann vielsagend ansehen. Sie finden sich damit ab, dass wir den ganzen Abend über den Raum reden werden, den wir eben gespielt haben. Lieb von ihnen, dass sie das hinnehmen. Ich spiele seit 2019 Escape Rooms, und mein Zähler steht bei 110. Inzwischen habe ich eine ziemlich gute Vorstellung davon, welche Elemente für das ultimative Escape-Room-Erlebnis sorgen. Davon erzähle ich dir gern mehr.

Es muss eine Antwort auf die Frage geben: Warum mache ich das?

Natürlich fange ich mit ‚dem Rätsel‘ an. Ich will aber nicht über die Qualität des Rätsels reden, über die Art des Rätsels oder seinen Schwierigkeitsgrad. Ich will über das Warum des Rätsels reden. Wenn ich in einem Escape Room etwas lösen muss, dann muss das Rätsel in dem Moment, in dem es auftaucht, völlig logisch sein. Stehe ich in einer Restaurantküche und muss Tomaten auf eine Waage legen, denke ich mir gar nichts. Stehe ich aber in einem verlassenen Atomkraftwerk mit hoher Radioaktivität um mich herum (oh nein!), dann ist es schon seltsam, wenn ich plötzlich Tomaten auf eine Waage legen soll. Du verstehst, was ich meine. Sobald ich denke: „Warum mache ich das eigentlich?“, läuft etwas schief, und ich werde aus dem Flow gerissen.

Damit hängt auch zusammen: Der Einsatz von Technik ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem guten Escape Room. Ein schweres Schloss mit Eisenschlüssel passt viel besser zu einem Escape Room mit dem Thema ‚Mittelalter‘ als ein elektronisches Zahlenschloss an der Wand, oder? Ein guter Escape Room beantwortet Fragen wie: „Warum hängt das hier?“, „Warum mache ich das?“ und „Warum passiert das jetzt?“

Ein guter Escape Room steht und fällt mit der Spielleitung

Vielleicht das wichtigste Element eines guten Raums: die Spielleitung. Sie spielt eine so wichtige Rolle für das Erlebnis, dass sie hier unbedingt genannt werden muss. Die Spielleitung sorgt dafür, dass dein Team möglichst durchgehend im Flow bleibt, indem sie so wenig wie möglich in Erscheinung tritt. Die Spielleitung willst du weder hören noch sehen, denn im Prinzip reißt sie dich aus deinem Erlebnis. Sie ist schließlich kein Teil der Geschichte. Eine Spielleitung muss auf die Zeit und den Fortschritt achten, darf aber auch nicht zu schnell einen Hinweis geben. Einen Hinweis zu spät zu geben, ist allerdings auch wieder ärgerlich, denn dann ist das Team frustriert. Und das will die Spielleitung ja auch vermeiden. Eine gute Spielleitung weiß genau, wann sie eingreifen muss. Das ist in unserem Team übrigens manchmal ganz schön kompliziert: Ich kann sehr lange an einem Rätsel tüfteln, ohne frustriert zu werden, aber jemand aus meinem Team tickt da ganz anders und will viel früher einen Hinweis. Viel Glück, liebe Spielleitung!

Stimmt die Verarbeitung, stimmt oft auch der Escape Room

Die Verarbeitung des Raums spielt eine wichtige Rolle dabei, Atmosphäre zu schaffen und das Gefühl aufrechtzuerhalten, dass du wirklich in einer anderen Welt bist. Lose Kabel sind ordentlich versteckt, die Farbe ist fachmännisch aufgetragen, und für die Kulisse wurden die richtigen Materialien verwendet. Gehe ich durch eine Gasse und die Wand ist aus Backstein, denke ich: „Wow!“ Gehe ich durch eine Gasse und die Wand ist eine Tapete mit Backsteinmuster, dann fällt mir das eben auch auf. Das macht den Escape Room nicht plötzlich schlecht (ganz sicher nicht!), aber es schmälert das Erlebnis. Wenn du einen Raum betrittst und denkst: „Wow, was für eine Kulisse!“, kannst du davon ausgehen, dass auf den Rest des Raums genauso viel Sorgfalt verwendet wurde und du es mit einem guten Escape Room zu tun hast.

Licht und Sound

Licht und Sound finde ich bei einem guten Escape Room sehr wichtig. Sie tragen zur Atmosphäre des Raums bei, aber sie können noch mehr. Fangen wir mit dem Licht an. Ein guter Escape Room setzt Licht clever ein: Es lenkt dich sozusagen durch den Raum. Sehe ich in einer Ecke einen Spot, der auf etwas gerichtet ist? Dann ist klar: Damit müssen wir etwas machen. Manche Räume nutzen Licht auch als subtiles Hinweissystem; irgendwo fängt zum Beispiel plötzlich ein Lämpchen an zu flackern. Dann bekommst du einen Hinweis, ohne einen Hinweis zu bekommen. Sehr angenehm, denn so bleibst du schön im Flow.

Geräusche und Musik spielen auch eine sehr wichtige Rolle. Meine Erfahrung mit Geräuschen und Musik: Du merkst sie erst, wenn etwas nicht stimmt. Wenn der Ton zum Beispiel viel zu laut ist. Oder wenn die Musik suggeriert, dass das Finale beginnt, obwohl das gar nicht der Fall ist. Noch ein kleines Beispiel: wenn du den Hinweis über die Gegensprechanlage nicht verstehst, weil der Ton zu leise ist. In einem guten Escape Room beschäftigst du dich überhaupt nicht mit dem Sound, weil er einfach stimmt.

Wie immer gibt es natürlich auch Ausnahmen. Wenn du Stay in the Dark gespielt hast, weißt du, wovon ich rede. In diesem Spiel war die Musik deutlich präsent, und sie hat uns sogar gelenkt. Das machte das Erlebnis so intensiv, dass ich manchmal immer noch nachts hochschrecke, mit dieser Melodie im Kopf.

The End

In einem guten Escape Room weißt du, wann du das Ende des Raums erreicht hast. Es gibt keinen Zweifel: Du bist am Ziel. Die guten Räume sorgen für ein ‚Endgame‘ mit einem faszinierenden Rätsel, einer spektakulären Verfolgungsjagd oder etwas anderem Innovativem. Wir sind aus brennenden Häusern gerannt, in einem Lastwagen geflüchtet und haben die Welt gerettet, indem wir ein Artefakt auf einen Altar gelegt haben. Und dann weißt du: Das Ende ist in Sicht.

Mit einem unerwarteten Twist wird ein Raum oft erst zu einem richtig guten Escape Room

Nur wenige Räume haben einen Twist, der mich als Spielerin wirklich überrascht hat. Das sind die Next-Level-Räume. Die Räume, die zur Spitze gehören. Ich versuche zu erklären, was ich mit einem Twist meine, ohne zu spoilern. Für mich gibt es zwei Arten von Twists: den technischen Twist und den Story-Twist. Bei einem technischen Twist haut dich die Technik im Raum einfach um, und du rufst, das sei ja wie eine Attraktion im Freizeitpark Efteling. Denk an Räume, in denen du schon warst, die sich aber als völlig verändert entpuppen, wenn du wieder hineinkommst.

Am besten finde ich allerdings den Story-Twist. Räume, die das schaffen, sind selten. Das sind Räume, die dich in der Geschichte in eine Richtung schubsen, und am Ende stellt sich das Gegenteil als wahr heraus. Du hast die ganze Zeit etwas völlig anderes gemacht, als du dachtest, und du hast es überhaupt nicht gemerkt. Wenn dir das passiert, hast du es wirklich mit einem guten Escape Room zu tun.

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